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Religiöse Apartheid 1996 – Unterdrückung von Grundrechten religiöser Minderheiten in Deutschland

Fortsetzung

Leider ist die Diskriminierung Chick Coreas kein Einzelfall, sondern Teil einer beunruhigenden Eskalation von Intoleranz offizieller Stellen in Deutschland gegenüber Künstlern, bei denen man eine Verbindung zu Scientology vermutet - einer Intoleranz, die im krassen Gegensatz zu den grundsätzlichen künstlerischen und religiösen Rechten der Betroffenen steht.

Das Landesmuseum Mainz organisierte in Rheinland-Pfalz im Rahmen seines "Kultursommers" eine vom Kultusministerium teilsubventionierte Ausstellung zu Ehren des Comic-Zeichners Carl Barks, die am 18. Mai 1995 begann. Diese Ausstellung wurde von dem weltbekannten österreichischen Maler Gottfried Helnwein konzipiert, der dem Museum Bilder als Leihgabe zur Verfügung gestellt hatte.

Am 22. April 1995 veröffentlichte die Zeitung Die Rheinpfalz einen Artikel über die geplante Ausstellung und führte darin aus, daß Herr Helnwein und seine Frau Scientologen seien und die Ausstellung als "Plattform für Scientology" diene. Diese Veröffentlichung veranlaßte eine Sprecherin der Kultusministerin, Rose Götte, zu der Stellungnahme, daß die Ministerin Gottfried Helnwein "als großen Künstler und Sammler schätze". Ob Helnwein Scientologe sei oder nicht, sei nicht erwiesen. Der Verdacht allein genüge nicht. "Wir sehen keine Gefahr, daß die Ausstellung zu einer Plattform für Scientology werden könnte."60

Diese Stellungnahme wurde in einem Kommentar der gleichen Ausgabe als "hochgradig fahrlässig" angegriffen, da "nicht einmal seine Comics-Schau im Kultursommer hinnehmbar sei, solange sich Helnwein nicht wirkungsvoll von Scientology distanziere".61

Als Resultat des politischen Drucks aufgrund der Pressemitteilungen, die Helnwein "anklagten", Scientologe zu sein, informierte die Ministerin die Presse dahingehend, daß Helnwein die gewünschte Distanz zu erkennen gegeben habe.62 Herr Helnwein war diesbezüglich vom "Sektenexperten" des Kultusministeriums, von der Kultusministerin persönlich und von einem Juristen einer Befragung unterzogen worden.63

Andere Politiker griffen diesen Vorfall auf und verwerteten diese beispiellose Diskriminierung auf dem Rücken von Minderheitsreligionen für ihren eigenen politischen Vorteil. Der christdemokratische Landessprecher für Sozialpolitik, Manfred Kramer, verlangte, daß sich Helnwein öffentlich von Scientology und deren "Ideen" distanzieren solle oder die Ausstellung würde abgesetzt werden müssen.64 Der Amtskollege in der FDP, Arthur Bauckhage, gab ähnliche öffentliche Stellungnahmen ab.65

Das Landesparlament stellte eine parlamentarische Anfrage an das Kultusministerium bezüglich der "Anschuldigung", daß Helnwein ein Scientologe sei - um herauszufinden, warum das Kultusministerium angesichts dieser "Anschuldigungen" die Ausstellung weiterhin betreibe.66 Zusätzlich gab die CDU eine Presseveröffentlichung heraus, die nicht nur die Ministerin denunzierte, sondern auch darzulegen versuchte, daß die geplante Ausstellung "die Glaubwürdigkeit seriöser rheinland-pfälzischer Sektenpolitik zerstöre". Der Landtag wurde dazu aufgerufen, dem Beispiel Baden-Württembergs zu folgen (wo Chick Corea gehindert wurde, aufzutreten), "das Veranstaltungen mit Scientology nahestehenden Beteiligten nicht öffentlich fördert".67

Offizielle Stellen in Bund und Land haben auch die Veranstaltungen anderer Künstler behindert oder verhindert, ausschließlich aufgrund deren Verbindungen mit der Scientology-Religion.

Der Fall der Folk-Musikgruppe Golden Bough ist bezeichnend. Spezialisiert auf traditionelle, akustische Musik konnte Golden Bough in den Vereinigten Staaten und Europa durch Veranstaltungen auf großen Festivals und in Konzertsälen eine große Fangemeinde gewinnen. Ebenso traten sie in Rundfunk und Fernsehen auf, in Irland, Schottland, Wales, England, Schweden, Norwegen, Deutschland, den Niederlanden, Luxemburg, Belgien, der Schweiz, Österreich und in Ungarn.

"Säuberung" Der Künste fortsetzend

Schlussnoten

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