Religiöse Apartheid 1996 – Unterdrückung von Grundrechten religiöser Minderheiten in Deutschland
Fortsetzung
Regelmäßig erschienen diskriminierende Artikel in Musikmagazinen in Deutschland, so z. B. 1994 in der Märzausgabe des Magazins Musikblatt. In diesem Artikel wurden die Leser aufgefordert, keine Platten, CDs oder Kassetten mit dem Label der Vertriebsfirma von Golden Bough zu kaufen und Konzerte, die die Künstler dieser Firma veranstalten, nicht zu besuchen und sie nicht zu unterstützen. Diese Aufforderung erging ausschließlich deshalb, weil der Firmeninhaber Scientologe ist.68 Ein deutsches Musikblatt publizierte Namen von Musikern, die Scientologen sind, und forderte die Öffentlichkeit auf, diese Musiker zu boykottieren. Golden Bough ist eine der Gruppen auf der Liste.69
Die staatliche Diskriminierung der Gruppe Golden Bough begann bereits im Herbst 1991, während sie sich auf Tournee mit dem "World Music Ensemble" befand, einer Gruppe von Musikern aus verschiedenen Teilen der Welt mit unterschiedlichem religiösen Hintergrund. Die Gruppe war formiert und die Termine der Tournee standen fest. Eine der ersten Städte, mit der vertragliche Vereinbarungen geschlossen waren, war die Stadt Hamburg. Nachdem der Vertrag für eine Veranstaltung in der Stadthalle unterschrieben war, annullierte die Stadt den Vertrag rückwirkend. Grund: Der Veranstalter war Scientologe.70
Während der gesamten Tournee von Golden Bough im Jahre 1991 versuchten Behördenvertreter der Städte, in denen Konzerte stattfanden, diese wegen der Religionszugehörigkeit der Gruppe abzusagen. Das terminlich bereits festgelegte Golden Bough-Konzert in der Stadt Celle wurde, wie schon vorher in Hamburg, abgesagt. Wie ein Schreiben des Oberstadtdirektors Celle belegt, war die Verbindung der Musiker zur Scientology-Religion der alleinige Grund für die Absage des Konzerts, obwohl Golden Bough - wie Chick Corea - in Konzerten keine Werbung für ihren Glauben betreiben.71
Während eines Golden Bough-Konzerts in der Stadt Stade 1993 stürmten Mitglieder der "Jungen Union" die Bühne mit Spruchbändern, auf denen Protestparolen gegen die Scientology-Religion standen. Die Bühne wurde letztendlich zwar geräumt, aber das Konzert war dennoch auf gewaltsame Weise unterbrochen und das Publikum eingeschüchtert worden. Die Verwalter von Konzertsälen in ganz Deutschland wurden nach diesem Ereignis von Behörden angehalten, die Gruppe nicht auftreten zu lassen.
Im Sommer 1994 verweigerte man Golden Bough das Recht, ein Konzert auf Sylt zu geben - wiederum nur aufgrund der religiösen Einstellung der Musiker. Ebenso wurden sie durch die Stadtzeitung in Bad Segeberg boykottiert.72
Dieses diskriminierende behördliche Verhalten hat die künstlerischen Rechte von Golden Bough ernsthaft verletzt. 1991 fanden 15 Konzertauftritte in Deutschland statt. 1992 hatten sie auf ihrer Deutschlandtournee 12 Termine. 1993 konnte Golden Bough wegen der Diskriminierungspolitik der zwei vorhergehenden Jahre nur fünf Konzerttermine buchen, obwohl sie mit größerem Nachdruck versucht hatten, Termine zu bekommen. 1994 konnte Golden Bough nur zwei Vorstellungen festlegen und war gezwungen, eine geplante Deutschlandtournee mit 15 Auftritten aufzugeben. Es besteht kein Zweifel, daß dieser dramatische Rückgang ausschließlich der Richtlinie der Regierung, scientologische Künstler in Deutschland zu boykottieren, zuzuschreiben ist.
Andere Künstler, die durch die Schallplattenfirma der Golden Bough vertreten werden, wurden ebenfalls auf die "Schwarze Liste" gesetzt - aufgrund der "Verbindung" der Firma zu Scientology, die sich lediglich aus dem Umstand ableitet, daß deren Inhaber zufällig Scientologe ist. Im März 1995 wurde die Firma wegen dieser vermuteten "Verbindung" vom Kulturamt in Wuppertal benachrichtigt, daß kein einziger Musiker, der von der Firma vertreten wird, für Konzertveranstaltungen engagiert werden würde.73
Solche Vorgänge staatlicher Intoleranz und Diskriminierung gegen Künstler, die zufällig Scientologen sind oder die einfach nur verdächtigt werden, Scientologen zu sein, zeigen deutlich auf, daß die von deutschen Behörden ergriffenen Maßnahmen eine offiziell gebilligte Richtlinie repräsentieren, wonach Äußerungen von Künstlern, von denen man glaubt, daß sie mit der Scientology-Religion in Verbindung stehen, zumindest in Deutschland zu unterbinden sind.
Kongreßabgeordnete der Vereinigten Staaten schrieben an deutsche Behörden, sowie an den deutschen Botschafter in den Vereinigten Staaten, um gegen die Maßnahmen der deutschen Regierung zu protestieren, dem weltbekannten Jazzmusiker Chick Corea aufgrund seines persönlichen Glaubens das Recht der künstlerischen Freiheit zu beschneiden oder zu verweigern.
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Schlussnoten
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