Religiöse Apartheid 1996 – Unterdrückung von Grundrechten religiöser Minderheiten in Deutschland
Fortsetzung

Im Oktober 1995 wurde Bernd L., einer der drei Stellvertreter des Cheftrainers der Deutschen Fechtnationalmannschaft, aus dem Team gefeuert und aufgefordert, das Fechter-Quartier zu verlassen. Dies geschah, nachdem ein Journalist des Nachrichtenmagazins Focus "enthüllt" hatte, daß Herr L. ein Buch des Scientology-Gründers Hubbard gelesen und positiv beurteilt hatte.19
Im September 1995 veröffentlichte der Kölner Stadt-Anzeiger einen Artikel unter der Überschrift: "Darf [der Stadtdirektor] mit einem Scientologen Skat spielen?" In diesem Artikel wurde die Stadtverwaltung von Mechernich kritisiert, weil sie in der Firma eines Herrn Paul A. Möbel eingekauft habe - trotz der Tatsache, daß jener Paul A. Scientologe sei. Der Stadtdirektor wurde außerdem von einem Sprecher der FDP angegriffen, weil er nach wie vor mit Herrn Paul A. Skat spiele.20
Im Juli 1994 verlor ein gewähltes Vorstandsmitglied des Quickborner Gewerbevereins sein Amt, nachdem man seine Zugehörigkeit zu Scientology entdeckt hatte.21 Im September 1994 wurde einer Scientologin - Vorstandsmitglied vom "Interessenverband Wasserbett" - das "Mißtrauen ausgesprochen". Begründung: Die Chancen des Interessenverbandes, sein Produkt in Deutschland zu vermarkten, würden ruiniert werden, wenn ihre Religionszugehörigkeit ans Licht käme.22 Im April 1991 stellte ein Mitglied der Hamburger Bürgerschaft ein Verzeichnis von Firmen zusammen, deren Inhaber Scientologen waren, und bezeichnete sie als "Mafia" und "Geldwäscher". Sie müßten "gestoppt" werden, damit die Wirtschaft nicht "unterwandert" würde. Diese "Feststellungen" wurden als Bürgerschaftsdrucksache veröffentlicht.23
Im März 1992 veröffentlichte der Oberstadtdirektor der Landeshauptstadt Düsseldorf eine ähnliche Liste für Nordrhein-Westfalen und warnte den Geschäftsführer der Düsseldorfer Messegesellschaft mbH vor Firmen, die Scientologen beschäftigen - so wie die K. Immobilien GmbH und die SN Colors GmbH.24 Im März 1993 gab die Stadt Düsseldorf einen Bescheid gegen den Geschäftsführer der Firma K. Immobilien GmbH heraus, wonach Herrn und Frau K. wegen ihrer Religionszugehörigkeit die Erlaubnis, weiterhin junge Leute zu Immobilienmaklern auszubilden, entzogen wurde.25 Eine Kampagne, mit der Dr. E. als Scientologe "geoutet" wurde, führte dazu, daß seine Firma mehr als DM 250.000.- verlor. Er sah sich vor die Wahl gestellt, das Geschäft zu verkaufen oder Konkurs anzumelden. Zusätzlich verlor er seine Mitgliedschaft im "Rotary Club". Seine Familie wurde bedroht, seine damals vierjährige Enkeltochter mußte den Kindergarten verlassen - alles wegen der Mitgliedschaft der Familie E. in der Scientology Kirche.26
In Rheinland-Pfalz wurde der Scientologe und Geschäftsmann Werner N. 1993 zur Zielscheibe einer groß angelegten Medienkampagne gegen seine Firma und seine Familie, wiederum ausschließlich aufgrund der Mitgliedschaft in der Scientology Kirche. Geschäftspartner kündigten daraufhin ihre Geschäftsbeziehungen auf, Dutzende von Arbeitsplätzen waren gefährdet. Herr N. wandte sich schriftlich an den Justizminister seines Bundeslandes, um ihn um Hilfe zu bitten. Der Justizminister, Peter Caesar, antwortete am 22. Januar 1993 persönlich, daß er alles tun werde, um Scientology zu bekämpfen, und daß Herr N. die finanziellen Folgen seiner Religionszugehörigkeit selbst zu tragen habe. Er müsse, so hieß es, zunächst öffentlich seiner Religion "abschwören", ehe er des Ministers Hilfe in Anspruch nehmen könne.27
Im Juni 1993 wurde der deutsche Fernsehtalkmaster Thomas Gottschalk "beschuldigt", Scientologe zu sein. Aufgrund der daraus resultierenden negativen Berichterstattung in den Medien gab Gottschalk öffentlich bekannt, daß er kein Scientologe sei, nichts mit der Kirche zu tun habe und die Verbindung zu einem Freund, der Scientologe ist, abbrechen würde.
Sektenfilter
Ein bezeichnender Anti-Scientology-Artikel in der Ausgabe vom April 1995 der Berliner Wirtschaft, einer Veröffentlichung der Industrie- und Handelskammer, macht das Ausmaß der Hetze gegen Scientologen deutlich. Er zeigt auf, wie sie isoliert und geächtet werden sollen, indem jeder, der geschäftlich mit ihnen in Verbindung tritt, selbst der Gefahr einer Aufnahme in "Schwarze Listen" und dem drohenden wirtschaftlichen Boykott ausgesetzt wird. Der Artikel drängt Geschäftsleute dazu, Klauseln in Verträge aufzunehmen, die eine Erklärung abverlangen, nicht mit Scientology in Verbindung zu stehen. So soll sichergestellt werden, daß keine Geschäfte mit Scientologen getätigt werden. Diese Methode, einzelne Personen wegen ihres persönlichen Glaubens und ihrer Religionszugehörigkeit zu bestrafen und zu ächten, wird in dem Artikel als "Sektenfilter" beschrieben und gefeiert - Worte, bei denen es einem kalt den Rücken herunterläuft und die eine grauenvolle Ähnlichkeit mit Schlagworten der Intoleranz wie z.B. "ethnische Säuberung" aufweisen. Der Artikel bietet einen Standard-Vertragswortlaut an, durch den jegliche Verbindung zu Scientology ausgeschlossen werden soll.28
Der Berliner Senat benutzte im November 1995 einen ähnlichen Wortlaut, als er alle Geschäftspartner der Stadt aufforderte, eine schriftliche Erklärung abzugeben, nicht mit Scientology in Verbindung zu stehen. Im Dezember 1995 beinhaltete die Beschlußniederschrift der Ständigen Konferenz der Innenminister eine Empfehlung für Regierungsbehörden, eine Erklärung in Verträge aufzunehmen, die beauftragte Firmen auffordert, zu versichern, daß sie nicht nach den "Methoden des Scientology-Gründers Hubbard arbeiten".
"Schwarze Listen" Und Wirtschaftlicher Boykott Gegen Scientologen fortsetzend
Schlussnoten
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