Religiöse Apartheid 1996 – Unterdrückung von Grundrechten religiöser Minderheiten in Deutschland
Fortsetzung

Wenn bekannt wird, daß ein Scientologe Inhaber eines Unternehmens ist oder ein Unternehmensinhaber in anderer Weise mit einem Scientologen in Verbindung steht, wird dieses Unternehmen boykottiert, bis es ruiniert ist. Die Regierung, private Interessengruppen und Medien machen die Öffentlichkeit auf die Existenz von Unternehmen aufmerksam, die von Scientologen geführt werden, um sicherzustellen, daß der Boykott effektiv durchgeführt wird.
Im Mai 1995 wurde mit Unterstützung der "Arbeitsgruppe Scientology" der Hamburger Behörde für Inneres eine Pressekonferenz der Immobilienmakler und Mietervereine abgehalten. Eine auf den neuesten Stand gebrachte "Schwarze Liste" von vermuteten Scientologen und ihren Immobilienfirmen wurde dort der Öffentlichkeit vorgestellt, verbunden mit dem dringenden Aufruf, sämtliche Scientology-Unternehmen zu boykottieren. Den Banken wurde nahegelegt, Geschäfte mit Scientologen abzulehnen.44 Diese Vorgehensweise führte dazu, daß Banken routinemäßig Scientologen die Eröffnung von Bankkonten oder jede Art von Bankgeschäften verweigern.45
Diskriminierung von Kindern
Kinder von Scientologen sind von diesem Klima des Hasses nicht verschont geblieben - selbst im Kindergarten nicht.
Am 27. März 1994 waren zwei Kinder der Scientologin Lydia W., 6 und 3 Jahre alt, Ziel von Diskriminierung im örtlichen Kindergarten. Auf Initiative einer über Jahre hinweg staatlich finanzierten Gruppe mit Namen "Sekten Info Essen" wurde die Kindergartenleitung über Scientology "aufgeklärt" und ausdrücklich aufgefordert, jeglichen Kontakt mit Scientologen zu meiden. Die Kinder wurden vom Rest der Gruppe abgesondert, und ihre Eltern wurden dahingehend informiert, daß ihre Kinder aus dem Kindergarten genommen werden würden - es sei denn, die Eltern würden einen Vertrag unterzeichnen und darin erklären, für Scientology weder schriftlich noch mündlich noch in anderer Weise "Werbung zu machen".
In diesem Vertrag wurde weiterhin klargestellt, daß die Kinder in der Tagesbetreuung "nicht willkommen" seien. Im Kindergarten wurde ein Schild mit der Aufschrift angebracht: "Scientology ist nicht erwünscht". Zusätzlich gab der Kindergarten bekannt, daß eine Anti-Scientology-Veranstaltung zusammen mit der "Sekten Info Essen" in seinen Räumen im April 1994 stattfinden würde.46
Im Jahre 1994 wurde der vierjährigen Tochter eines Scientologen wegen der Religion ihrer Eltern ein Kindergartenplatz verweigert. Der Kindergarten wird mit Geldern des örtlichen Jugendamtes bezuschußt.
Im gleichen Sinne äußerte sich die Leiterin eines Kindergartens in Schleswig-Holstein. Sie würde Kinder von Scientologen in ihrer Einrichtung deshalb ausschließen, weil sie Angst haben müsse, in Schwierigkeiten zu geraten, wenn sie deren Aufnahme zulasse.
In Hamburg wurden zwei Schüler aus einer privaten Schule ausgeschlossen, einzig und allein wegen ihrer Religionszugehörigkeit zu Scientology. Daran anschließend verschickte ein Lehrer einen Rundbrief an alle Eltern und Schüler, um diese Aktion zu "rechtfertigen" und Anti-Scientology-Emotionen zu schüren.
Im September 1992 schloß der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Turnerschaft Barmbeck-Uhlenhorst die Kinder von Scientologen unter dem vorgeschobenen Grund aus dem Verein aus, daß der Verein niemals mit irgendeiner kirchlichen oder politischen Vereinigung zusammengearbeitet habe, "auch nicht während der Zeit des 3. Reiches". Kinder der großen Mehrheitsreligionen werden jedoch ermuntert, dem Verein beizutreten.
Kinder von Scientologen werden im ganzen Lande mit einseitiger "Sektenaufklärung" in den Schulen konfrontiert. Viele dieser Kinder sind verängstigt und wagen aufgrund zu erwartender Repressalien nicht zu sagen, daß sie oder ihre Eltern Scientologen sind. Um Ihre Kinder vor Schikanen in staatlich finanzierten Schulen zu schützen, sahen sich einige Gemeindemitglieder gezwungen, zu emigrieren und ihre eigene Schule in Dänemark nahe der deutschen Grenze zu errichten. Nichtsdestotrotz wurde die dänische Regierung aufs heftigste von der Sektenbeauftragten des Hamburger Senats, Ursula Caberta, für deren Weigerung kritisiert, diese Schule zu schließen. Eine Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft versuchte noch kürzlich, diese Schule "dichtzumachen".47
Im Dezember 1994 wurde einem dreijährigen Kind, das bereits im Kindergarten eines Kinder- und Jugendzentrums in Stuttgart aufgenommen war, das Recht zur Teilnahme nachträglich verweigert, nachdem man erfahren hatte, daß seine Eltern Scientologen sind. Stattdessen ließ der Rechtsanwalt des Zentrums die Eltern wissen, daß das Kind deswegen nicht akzeptiert werden könne, weil sie der Scientology angehörten.48 Die Eltern erhielten diese Entscheidung und diesen Brief, kurz nachdem das Kultusministerium von Baden-Württemberg sowie eine baden-württembergische interministerielle Arbeitsgruppe eine Presseerklärung herausgegeben hatten, in der die Schulen vor Scientology "gewarnt" wurden und damit ein sogenanntes "Aufklärungsprogramm" als Bestandteil der Lehrpläne an allen staatlichen Schulen eingeleitet wurde, um Lehrer und Schüler über die "Gefahren" von Scientology zu indoktrinieren.49
"Schwarze Listen" Und Wirtschaftlicher Boykott Gegen Scientologen fortsetzend
Schlussnoten
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