Religiöse Apartheid 1996 – Unterdrückung von Grundrechten religiöser Minderheiten in Deutschland
Fortsetzung
Leider wurde auch diese Entscheidung von einer Reihe offizieller Regierungsstellen kritisiert und ignoriert, wie es schon mit anderen Entscheidungen geschehen war, die gesetzwidrige Vorgehensweisen gegenüber Scientology niedergeschlagen hatten.
Frau E. ist kein Einzelfall, veranschaulicht aber das Ausmaß der Diskriminierung im privaten Bereich in einer Reihe ähnlich gelagerter Fälle. Wenn es darum geht, einen Arbeitsplatz zu bekommen oder zu behalten, Verträge abzuschließen, ein Geschäft zu führen, die Mitgliedschaft in einer politischen Partei zu behalten, soziale oder geschäftliche Verbindungen anzuknüpfen, ein Bankkonto zu eröffnen oder einen Kredit zu erhalten - immer wieder lassen Firmen und andere Institutionen ihre Angestellten oder Mitglieder auf Drängen von Regierungsbehörden buchstäblich schwören, daß sie nicht mit Scientology in Verbindung stehen und keine Anhänger ihrer Lehre sind.
Im Januar 1995 erhielt der Lehrer H. S. ein Schreiben des Oberschulamts in Karlsruhe. Die Schulbehörde sei im Besitz von Informationen über seine Zugehörigkeit zu Scientology - so das Schreiben - und jede Unterstützung der Scientology stünde im Widerspruch zu seinen Pflichten und Qualifikationen als Lehrer dieser Schule.8 Im August 1995 wurde die Mathematiklehrerin Frau E. allein wegen ihrer bloßen Zugehörigkeit zu Scientology von ihren Unterrichtsverpflichtungen an der Grundschule Hemmingen entbunden.9
Im Januar 1995 berichtete die Welt am Sonntag, daß dem Generalsekretär der Berliner CDU ein Amt im Berliner Senat verweigert wurde, weil er zwanzig Jahre zuvor mit Scientology in Verbindung gestanden hatte.10 Im März 1995 wurde dem Scientologen Dieter K. eine zweite Amtszeit als ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht Ludwigshafen wegen seiner Zugehörigkeit zu Scientology verweigert.11
Im Januar 1995 erhielt der Scientologe Jochen T. ein Schreiben der Karnevalsgesellschaft "Der Närrische Rat". Darin hieß es, daß er - um seine Mitgliedschaft in dieser Vereinigung zu behalten - erklären solle, er stünde nicht mehr mit Scientology in Verbindung. Diese Forderung - so hieß es weiter - gehe auf den Druck von Dritten zurück und sei zum Schutz der Karnevalsgesellschaft notwendig.12
Im Februar und im Mai 1995 erschienen Artikel in den Dachauer Nachrichten, daß eine der Personen, die sich für eine Mitgliedschaft in der neuen Bürgerinitiative "Verein Abenteuerspielplatz Schwabhausen" interessiere, Dr. Wolfgang K. sei, ein Scientologe. Man forderte den sofortigen Ausschluß Dr. K.s aus dieser Bürgerinitiative - allein wegen seiner Zugehörigkeit zu Scientology.13 Im April 1995 stellte die Düsseldorfer Handwerkskammer dem Geschäft von Monika N. einen Mitarbeiter zur Verfügung. Einige Wochen später informierte der Sprecher der Handwerkskammer Frau N., daß die mit ihr getroffene Vereinbarung wegen ihrer Zugehörigkeit zu Scientology aufgehoben werde.14
Im April 1995 wurde Jens B. von der Vereins- und Westbank Hamburg eine Erhöhung des Dispositionskredites mit der Begründung verweigert, daß Scientologen gemäß den Richtlinien dieser Bank keine Kredite erhielten.15 Im Mai 1995 informierten Banken wie die Hamburger Sparkasse, die Deutsche Hypothekenbank und die Commerzbank die Presse darüber, daß sie keine Geschäftsbeziehungen mit Scientologen eingehen würden.16
Im Mai 1995 erfuhr die amerikanische Firma "Executive Software" aus einem Zeitungsartikel, daß die Regierungsbehörden zukünftige und gegenwärtige Kunden davor "warnen" würden, Geschäfte mit "Executive Software" zu tätigen. Begründung: Deren Generaldirektor Craig Jensen sei Scientologe.17
Im Mai 1995 wurde Herr Albrecht A., ein Mitglied des Mechernicher Gewerbevereins, in einem Zeitungsartikel im Kölner Stadt-Anzeiger verdächtigt, Scientologe zu sein. Obwohl Herr A. kein Scientologe ist, verlangte der Gewerbeverein eine Erklärung dahingehend, daß er kein Angehöriger der Scientology Kirche sei. In Folge der Gerüchte um die angebliche Scientology-Mitgliedschaft des Herrn A. weigerte sich die Stadt, eine Bürgschaft für den Verein zu übernehmen.18
"Schwarze Listen" Und Wirtschaftlicher Boykott Gegen Scientologen fortsetzend
Schlussnoten
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