FRANKREICH
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Der Verfassung nach ist Frankreich ein laizistischer Staat. Es herrscht eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat, und somit existiert kein gesetzlich verbrieftes Recht des Staates, eine Religionsgemeinschaft offiziell als solche anzuerkennen oder nicht anzuerkennen. Die Regierung ist gesetzlich daran gebunden, in ihrem Umgang mit Religionsgemeinschaften keine Privilegisierung vorzunehmen. Diskriminierung aus Gründen der Religionszugehörigkeit ist rechts- und verfassungswidrig.
Obwohl die strikte Trennung von Staat und Kirche die Religionsfreiheit formell schützt, wird sie dennoch in zunehmendem Maße verletzt. Die diesbezüglich größte Kontroverse wurde kürzlich durch die Arbeit einer parlamentarischen Kommission entfacht, die mehr als 170 religiöse und philosophische Vereinigungen als „Sekten“ stigmatisierte – unter ihnen die Baptisten, zum Zeitpunkt der Herausgabe der parlamentarischen Kommission die Religion des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Bill Clinton.
Nach erfolgter Etikettierung und Stigmatisierung empfahl die Kommission Maßnahmen, die gegen die betroffenen Religionsgemeinschaften ergriffen werden sollten. Dieser Maßnahmenkatalog wurde von französischen Gelehrten und Verfassungsexperten heftig kritisiert. Er sei verfassungswidrig und diskriminierend.
Die Zeitschrift der französischen Bischöfe, La Croix, veröffentlichte eine Verlautbarung des Generalsekretärs der französischen Bischofskonferenz, die feststellte, daß der Bericht die aufgeführten Gruppen „als schuldig brandmarkte, ohne daß ihnen rechtliches Gehör eingeräumt worden ist“.
Italienische Bischöfe drückten ebenfalls ihre Besorgnis aus, nachdem der konservative katholische Orden Opus Dei zur Zielscheibe der Kommission geworden war. Opus Dei genießt die Gunst von Papst Johannes Paul II., der den Gründer der Gruppe – Josemaria Escriva de Balaquer – seligsprach. Die Seligsprechung ist der erste Schritt zur päpstlichen Heiligsprechung.
In einer Kritik, die auch auf den früher erwähnten belgischen Bericht hätte gemünzt sein können, verurteilten hervorragende Religionswissenschaftler den Bericht rundum – einschließlich Dr. Massimo Introvigne, Direktor des Zentrums für Studien über neue europäische Religionen und Dr. Eileen Barker vom Informationsnetzwerk für religiöse Bewegungen in Großbritannien. Sie schrieben:
„Der Bericht der Untersuchungskommission über Sekten läuft auf eine Breitseite gegen Hunderte von religiösen Gruppierungen hinaus, die sich auf spiritueller Suche befinden und nichts als das beste für ihre Mitmenschen wollen. Mit wenig mehr als den ungeprüften Beschuldigungen anonymer ,Zeugen' ruft er zu einer Hexenjagd gegen die Unschuldigen auf – eine Ironie, wenn man die Parole bedenkt, mit der Frankreich weltweit bekannt sein möchte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“
Fortsetzung...
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