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m Anfang dieser Broschüre wurde die Feststellung getroffen, daß Nationen, die geschichtlich bereits in die Verfolgung von Religionen verwickelt waren, eher zur Mißachtung von Menschenrechten tendieren als Nationen, die auf eine stabile demokratische Tradition der Religionsfreiheit und Toleranz zurückblicken.
Keine Regierung auf der Welt respektiert die Rechte aller ihrer Bürger zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Einige europäische Regierungen aber lassen dem Recht der freien Meinungsäußerung und dem Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit wesentlich weniger Schutz zukommen als andere. Dies wurde im Kapitel Zwei dargelegt.
Selbst Begriffe wie „Religionsfreiheit“, „Kult“ oder „Sekte“ scheinen in ihrer Bedeutung von der Nationalität des jeweiligen Regierungsvertreters abhängig zu sein, der diese Begriffe benutzt. Die der jeweiligen Verfassung verpflichteten und demokratisch gesinnten Beamten und Regierungsvertreter wissen, daß des eines Landes „Sekte“ des anderen Landes Religion ist – und umgekehrt. Dennoch benutzen Politiker in einigen Ländern diese Begriffe in einer unverhohlenen Absicht und in vollständigem Bewußtsein ihrer möglichen abwertenden und diskriminierenden Bedeutungsinhalte.
Selbstbezogene Interessen spielen ebenfalls eine Rolle. Eine Staatskirche, die seit Jahrhunderten existiert und im politischen und wirtschaftlichen Leben des jeweiligen Landes verwurzelt ist, wird nicht leicht dazu zu bewegen sein, ihr „Religionsmonopol“ aufzugeben. Bezeugt wird diese Feststellung auch von gegenwärtigen Versuchen, bestimmte sprachliche Formulierungen in die Verträge der Europäischen Union einfließen zu lassen, die etablierten Kirchen eine Vorrangstellung einräumen würden. So harmlos dieses Unterfangen auf den ersten Blick erscheinen mag: die Privilegierung einer Kirche oder Religionsgemeinschaft untergräbt die Grundlagen der Religionsfreiheit. Sie öffnet Tür und Tor für die Benachteiligung und Diskriminierung einer jeden Person, die der privilegierten Religionsgemeinschaft nicht angehört.
Um der Freiheit des Menschen willen und im Interesse seines persönlichen Glücks muß sich der Respekt für die Grundidee der Menschenrechte behaupten. Unser Jahrhundert legt Zeugnis davon ab, wie die Einschränkung und Aufhebung der Meinungs- und Redefreiheit und der Glaubens- und Gewissensfreiheit den Weg bereitet für faschistische Strukturen, „ethnische Säuberungen“ und andere Übel.
Gemäß den Empfehlungen des UN-Sonderberichterstatters in Angelegenheiten religiöser Intoleranz, die er in seinen jährlichen Berichten an die UN zur Lage der Religionsfreiheit in der Welt gegenüber dem UN-Menschenrechtsausschuß ausgesprochen hat, liegt die Lösung des Problems nicht zuletzt im Bildungswesen. Schulen, die Intoleranz und Diskriminierung lehrplanmäßig vermitteln, züchten die intoleranten Führungskräfte von morgen und erzeugen eine Nation, die sich nur auf dem Papier an Menschenrechtsprinzipien hält. In Wirklichkeit verfolgt und beeinträchtigt sie jeden, der einen anderen Glauben vertritt und lebt als er von der Mehrheit der Bürger vertreten oder von einer diktatorischen Staatsführung vorgeschrieben wird.
Schulen und Bildungsstätten aber, die sich aktiv der Förderung der Prinzipien der Religionsfreiheit und des gegenseitigen Verstehens verschreiben und diese lehren, werden Politiker und Führungskräfte hervorbringen, die diese Prinzipien zum Nutzen aller anwenden werden.
Aus diesem Grund sollte jeder, der sich für Menschenrechte einsetzen will, die Vermittlung menschenrechtlicher Grundsätze zumindest an höheren Schulen und Universitäten anregen und ermutigen. Diese sollten ein fester Bestandteil der grundlegenden Ausbildung eines jeden Menschen sein.
Eine detaillierte Beschreibung dessen, wie menschenrechtsbezogene Zielsetzungen erreicht werden können, liegt außerhalb der Möglichkeiten dieser Broschüre. Dennoch gibt es Schritte, die jeder tun kann: Respektieren Sie die Rechte anderer; drücken Sie Ihr Mißfallen aus, wenn Sie sehen, daß diese Rechte mit Füßen getreten werden; unterstützen Sie keine menschenrechtswidrigen Vorgehensweisen. Denken Sie daran: Dieses Jahrzehnt wurde von Menschenrechtsgremien zum Jahrzehnt der Toleranz ausgerufen. Es ist dieser Gedanke, der uns in das nächste Jahrtausend führen soll.
In seiner Rede anläßlich des Empfangs des Friedensnobelpreises 1986 sagte Elie Wiesel: „Taten sind das einzige Heilmittel für Gleichgültigkeit.“ Er richtete die Bitte an alle Menschen, denen Menschenrechte ein Anliegen sind, sich gegen Religionsverfolgung zu verwenden, und er betonte, daß Stillschweigen und tatenloses Zusehen die Saat sind, aus der die Unterdrückung erwächst:
„ Wann auch immer und wo auch immer Menschen Leid und Demütigung ausgesetzt sind: greifen Sie ein. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen ermutigt den Peiniger, niemals den Gepeinigten. “
Diese weisen Worte sind heute zutreffender denn je.
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